Gesundheitsförderung


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Salutogenese - Gesundheit neu entdecken!

 


Was bedeutet Gesundheitsförderung?

 

 

Welche Bedeutungen haben Salutogenese und Pathogenese?

 



Prävention versus Gesundheitsförderung - was steckt wirklich dahinter?


Die Begriffe Gesundheitsförderung und Prävention werden oft in einem Atemzug genannt. Dabei unterscheiden sie sich in ihrer Bedeutung in wesentlichem Maße.

 

 

Prävention  

Mit Prävention werden alle Ansätze zusammengefasst, die eine Vermeidung von Krankheiten zum Ziel haben. Der entscheidende Ansatz dafür ist, die auslösenden Faktoren der Krankheiten zurückzudrängen oder ganz auszuschalten. Die dazu nötigen Interventionen richten sich also auf das Verhindern bzw. Abwenden von Risiken für das Eintreten oder sich Ausbreiten einer Krankheit. Dazu ist das Wissen um pathologische Zusammenhänge bzw. Entwicklungs- und Verlaufsstadien eines Krankheitsgeschehens wichtig.

→ Die Prävention beruft sich also auf die Dynamik der Entstehung von Erkrankungen und deren Verhinderung oder Ausbreitung. Die KRANKHEIT und somit die PATHOGENESE (Entstehung von Krankheiten) steht im Vordergrund.

Beispiel: Zähneputzen um Bakterien zurückzudrängen und Karies zu verhindern

 

Gesundheitsförderung

Die Gesundheitsförderung hat sich erst mit der WHO-Konferenz in Ottawa 1986 etabliert.

Im Unterschied zur Prävention und deren Vermeidungsstrategien, geht es bei der Gesundheitsförderung um Promotionsstrategien, bei der die Verbesserung von Lebensbedingungen eine Verbesserung der Lebensqualität und somit  eine Stärkung der Gesundheit erfahren soll.

Die Interventionen sind multifaktoriell. Viele verschiedene Felder werden beleuchtet: die Verbesserung der ökonomischen, kulturellen, psychosozialen, bildungsmäßigen oder hygienischen Bedingungen können im Vordergrund stehen. Individuell nach Bedarf werden die zur Verfügung stehenden Ressourcen beleuchtet um den bestmöglichen Benefit zu erzielen.

Voraussetzung hierfür ist die Kenntnis der gesundheitsfördernden Dynamiken.

Der Gesundheitsgewinn liegt damit in der Herstellung eines höheren als der ursprünglich erwarteten Gesundheitsqualität und damit auch Lebensqualität.

→ Die Gesundheitsförderung beruft sich also auf die Dynamik der Entstehung von Gesundheit auf allen verschiedenen Gebieten (Ernährung/Bewegung/Arbeitsplatz/Wohn- und Wasserqualität/soziale Netzwerke, Selbstwirksamkeit, Resilienz etc.) Die GESUNDHEIT und somit die SALUTOGENESE (Entstehung der Gesundheit) steht hier im Vordergrund.

Beispiel: durch regelmäßige Bewegung im Freien stärke ich mein Herz-Kreislauf-System, ich kann die Sonne genießen und gleichzeitig meine Vitamin D Speicher auffüllen. Ich atme frische Luft und fühle mich vitaler. Dadurch steigt meine Laune. Das wiederum stärkt mein Nervenkostüm, sodass ich den verschiedenen Herausforderungen des Alltags besser begegnen kann.


Jeden Tag kann man verschiedene Artikel über Gesundheit und Krankheit in der Zeitung lesen. Was ist besonders gut für die Gesundheit? Was macht krank? Auch in der Werbung werden viele Mittel angepriesen, die ein bestimmtes Gebrechen im Nu in Gesundheit umwandeln. Des Weiteren werden überall Tipps zur besseren Gesundheit gegeben, z. B.

- fit in den Frühling,

- kühle Tipps für heiße Tage

- schnupfenfrei durch den Herbst

- wohlige Wärme bei eiskalten Temperaturen

Mit Begeisterung werden solche Artikel gelesen. 

Was aber davon wird wirklich umgesetzt bzw. was davon wird regelmäßig in den Alltag integriert, also nachhaltig angewandt? Hier bewegen wir uns schon auf dünnem Eis: Es werden viele Informationen aufgenommen, alleine schon deswegen, weil sie überall greifbar sind, aber bei der Umsetzung hapert es ganz schön…

Warum eigentlich? Sind wir zu bequem? Schmecken Schnitzel mit Pommes  oder Sahnetorte einfach besser als Obst und Gemüse? Ist ja auch anstrengend Gemüse zu putzen, zu schnippeln und zu dünsten. Ach Gott, und bewegen soll ich mich ja auch noch! Hab doch gar keine Zeit! Hab ich überhaupt Lust auf Sport? Und dann noch regelmäßig?  Was für eine Anstrengung!

Hier gerät der eine oder andere schon in die Enge! Warum soll ich das überhaupt alles tun? Mit geht es doch gut, oder? Ich bin doch gesund! Sehe nur ich das so? Würde ein Außenstehender mich auch als gesund bezeichnen? Oder mein Hausarzt? Ab wann ist man denn krank? Und bis wohin bin ich noch gesund?

Sind es denn immer nur Ernährung und Bewegung, die mich gesund halten? Oder gibt es da auch andere Dinge? – Ja, die gibt es!

Die Frage, ob ich noch von Gesundheit oder schon von Krankheit sprechen muss, haben sich schon viele gestellt.

Der dt. Arzt C.W. Hufeland (1762-1836) z. B. unterschied z. B. in „absolute“ und „relative“ Gesundheit. Absolute Gesundheit war für ihn, ein vollkommen harmonischer Zustand aller Organe bzgl. ihrer Funktionen, sozusagen das Ideal der Gesundheit. Dabei musste er gleichzeitig feststellen, dass der größte Teil der Menschen diesem Ideal nicht nachkam. Also brachte er die relative Gesundheit ins Spiel. Es handelte sich sozusagen um einen Menschen, der zwar von einigen Unpässlichkeiten geplagt werden könne, sich aber im Großen und Ganzen gut fühlt.

Auch gibt es Dutzende von Definitionen über Gesundheit (einige Beispiele):

  • 129 – 199 n. Chr. beschreibt Galen Gesundheit als einen Zustand indem weder Schmerzen vorherrschen, noch die Lebenskräfte in irgendeiner Form behindert sind.
  • Schoppenhauer schreibt 1851: „Gesundheit ist nicht alles, ohne Gesundheit ist alles nichts.“
  • G. Canguilhem stellt 1951 fest, dass Gesundheit dann herrscht, wenn Krankheiten kommen und wir von ihnen wieder genesen. Das wäre ein biologischer Luxus.

 



"Alle Hoffnungen bei der Gesunderhaltung des Menschen auf EINEN isolierten Faktor zu setzen, wird bei einem vernetzten, komplexen System wie dem Menschen selten hilfreich sein! " 

Gabi Miketta


Dann wurde irgendwann klar, dass der Organismus ein dynamisches, offenes System ist, in welchem Reize von innen und außen ständig beantwortet werden müssen, um in irgendeiner Form die Balance/Gesundheit zu halten. Dieses Gleichgewicht wird folgendermaßen beschrieben:

  • George Engel 1960: Gesundheit im positiven Sinn besteht in der Fähigkeit des Organismus, ein Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, das ihm erlaubt, mehr oder weniger frei von starkem Schmerz … zu leben.
  • Brockhaus 1969: Gesundheit ist der Zustand, in dem sich Lebewesen befinden, wenn alle ihre Organe ungestört tätig sind und harmonisch zur Erhaltung ihres ganzen Wesens zusammenwirken.

 

Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe A. Antonovsky (1923-1994) fand heraus, dass es bei Menschen, die den Aufenthalt in  Konzentrationslagern überlebten, zwei Gruppen gab: einmal gab es die Menschen, die diese Läger gebrochen verließen. Sie litten unter schweren psychischen Störungen und waren kaum noch in der Lage, ihr restliches Leben in den Griff zu bekommen. Sie starben relativ früh.  Andererseits gab es Menschen, die ganz normal weiterlebten, ihre Arbeit in irgendeiner Form wieder aufnahmen, sich in die Gesellschaft integrierten und ein relativ hohes Alter erreichten.

Was unterschied die beiden Gruppen? 

Nach Befragungen dieser Gruppen musste er feststellen, dass verschiedene Menschen ganz verschieden mit diesen extremen Stresssituationen umgingen…              

 

Er führte den Begriff der SALUTOGENESE (lat. salus = Gesundheit/genese = Entstehen) in den 1980er Jahren ein, als ergänzenden Begriff zur Pathogenese (Entstehung von Krankheit). Nach seinem Modell ist der Mensch nicht gesund oder krank (Dichotomie – Trennung beider Zustände), sondern befindet sich auf einem Kontinuum (einer Geraden) wo er sich, je nach seinen individuellen Lebensbedingungen, auf verschiedenen Punkten, je nach Gesundheitszustand, befindet.

 

A. Antonovsky initiierte den Begriff „Sence of Coherence“ SOC (übersetzt: Koheränzgefühl - lat. cohaerere ‚zusammenhängen‘). Hiermit gab er an, in welchem Ausmaß ein Mensch das Gefühl des Vertrauens hat, dass den ständigen Herausforderungen des Lebens entsprechend, genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, um diesen Herausforderungen begegnen zu können. Es sollten also die gesunden Anteile des Menschen – seine persönlichen Ressourcen – wahrgenommen und gefördert werden. 

Lt. Definition im Duden ist eine Ressource „ein natürlich vorhandener Bestand von  etwas, das man jederzeit zur Verfügung hat“.  Es sind also innere Potentiale eines Menschen, oftmals gar nicht bewusst, die als Kraftquelle zur Gesunderhaltung genutzt werden können.  Hierbei handelt es sich z. B. um Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kenntnisse, Geschicke, Erfahrungen, Einstellungen, Talente, Neigungen oder Stärken.

 

Ich möchte vor allem die Ressource des Wissens und der Kenntnisse  meiner Patienten stärken, damit durch mehr Transparenz im Gebiet der  Gesundheitsförderung eine stabilere Eigenverantwortung bzgl. Gesundheit entstehen kann. Durch die Verknüpfung verschiedener medizinischer und medizinnaher Gebiete werden gesunderhaltende Verhaltensweisen plausibler und können daher nachhaltiger im täglichen Leben integriert werden.

 

Bereits 1986 definiert die WHO (Weltgesundheitsorganisation) in ihrer Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung, wie wichtig es ist, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und damit zur Stärkung ihrer Gesundheit beizutragen. Alle Individuen und Gruppen sollten ihre Bedürfnisse wahrnehmen/erkennen und ihre Lebensumstände entsprechend verändern können. Gesundheit soll also kein abstraktes Ziel sein, sondern im Alltag hergestellt und aufrechterhalten werden . 

 

So sehe ich es als immanent wichtig, dass bereits junge Familien sich mit dem Thema Gesundheitsförderung  beschäftigen sollten. Sie stellt ein erhebliches Potential  für die frühe Prävention dar. Junge Eltern sollten ihren Kindern ein gesundes Setting im Elternhaus vorleben und das nicht nur in Bezug auf Ernährung, sondern auch im psychosozialen Bereich. Junge Kinder übernehmen diese ihnen vorgelebten Verhaltensweisen  im Positiven wie im Negativen oft bis ins Erwachsenenalter. Daher ist die Förderung der Elternkompetenz enorm wichtig.